Eine Filmszene visuell vorplanen

Eine Filmszene visuell vorplanen

  • Posted by Björn Maurer
  • On 24. November 2016

Eine Szene im Fotoboard visualisieren und anschließend verfilmen

von Björn Maurer, Ken Nilles
Zeitbudget: > 45 Minuten
Schwerpunkte: Film UND Theater
Sprachkenntnisse: Grundkenntnisse
Mehrsprachig: Nein
Gruppengröße: Ab 6 Personen

Lernziele

  • am Schauplatz geeignete Kamera-Einstellungen finden
  • eine Szene in mehrere Kamera-Einstellungen auflösen (Five-Shot, Auflösung von Gesprächen)
  • mit «Comic Life» ein Fotoboard erstellen und mit Dialogtexten und Regieanweisungen anreichern
  • gezielt auf Continuity und Anschlüsse der montierten Einstellungen achten
  • Kenntnisse im Bereiche «Five-Shot» und «Gesprächsauflösung» anwenden

Überblick

Die Teilnehmenden entwickeln und planen eine Filmszene mit Hilfe eines Fotoboards. Dazu suchen sie direkt am Schauplatz nach geeigneten Kamerastandpunkten und überlegen, wie sie die Handlung filmisch auflösen wollen. Für jede geplante Kameraeinstellung wird ein Foto gemacht und mit Hilfe der Fotocomic-App «Comic Life» mit Regieanweisungen und Dialogtexten angereichert. Beim Dreh dient das Fotoboard als Gedächtnisstütze und als visuelles Sprachscaffolding für eine reibungslose Kommunikation am Set.

Voraussetzungen:

Five-Shot, filmische Auflösung von Gesprächen, Kameraeinstellungen, Perspektiven, Bewegungen und deren Wirkung

Materialien:

Smartphone / Tablet, ggf. Comic Life App, Stativ (für Tablet), externes Mikrofon, Tonangel, Kopfhörer, iRig Digitalschnittstelle zum Anschluss von Kopfhörer und Mikrofon an iPad.

Vorbereitungen:

Keine

Ablauf

Vorbemerkung

In der professionellen Filmproduktion wird in der Regel mit gezeichneten Storyboards gearbeitet. Das Drehbuch wird gewissermaßen im gezeichneten Storyboard visualisiert und dadurch verfilmbar gemacht. Kindern und Jugendlichen fehlen häufig die nötigen Skills, um effizient und präzise zu zeichnen. Daher wird in dieser Übung auf das Werkzeug «Fotoboard» zurückgegriffen. Mit Fotos können alle filmsprachlichen Mittel (Einstellungsgrösse, Perspektive, Bildkomposition etc. ) festgelegt und dokumentiert werden. Hierfür ist es allerdings nötig, den Ort des Geschehens mit der Fotokamera zu besuchen und zu überlegen, wie die Szene dort in einzelne Einstellung aufgelöst werden soll.

Schritt 1: Die Aufgabenstellung

Hinweis

Im Idealfall wird vorab die Übung «Vom Fotoboard zum Film» durchgeführt. In dieser Übung lernen die Teilnehmenden das Fotoboard als visuelles Planungswerkzeug für den Filmdreh kennen und können nun auf diese Erfahrung zurückgreifen.

Die Teilnehmenden erhalten folgenden Auftrag:

«Plant eine kurze Filmszene, in der eine Person A etwas tun will, was nicht erlaubt ist. Im letzten Moment kommt eine andere Person B hinzu und überzeugt Person A, es doch nicht zu tun.»

Die Teilnehmenden sollen diese Szene nicht filmisch umsetzen, sondern nur so vorplanen, dass sie später verfilmt werden kann. Im Plenum wird besprochen, welche Möglichkeiten für die Planung von Filmszenen zur Verfügung stehen. Dabei empfiehlt die pädagogische Begleitung das Fotoboard als praktikable und effiziente Methode.

Schritt 2: Einführung in die Fotocomic App Comic Life

Die Teilnehmenden werden kurz in die Bedienung der Fotocomic-App «Comic Life» eingeführt. Folgende Funktionen werden benötigt:

  1. Ein Projekt starten
  2. Ein einheitliches Fotolayout anlegen
  3. Fotos aus den Fotorahmen heraus schiessen
  4. Fotos in den Rahmen skalieren
  5. Sprechblasen hinzufügen und mit Text befüllen
  6. Textboxen für Regieanweisungen setzen und Text eingeben
  7. Neue Seite anlegen
  8. Fotoboard sichern und ggf. sharen

Schritt 3: Das Fotoboard entsteht

Die Teilnehmenden suchen sich mit ihrem Smartphone / Tablet einen Schauplatz, an dem sie ihre Szene planen und für jede spätere Kameraeinstellung ein Foto schießen. Wenn sie zuvor die «Five-Shot-Übung» und die «Schuss-Gegenschuss-Übung» durchlaufen haben, können sie ihr neu gewonnenes Wissen bei der Planung der Szene anwenden.

Mögliche Dialogtexte werden in Sprechblasen festgehalten und Regieanweisungen in Textboxen geschrieben.

fotoboard-beispiel

Schritt 4: Sichtung und Anpassung der Fotoboards

Die Fotoboards werden im Plenum gesichtet und markante filmgestalterische Mittel benannt. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Umsetzung einzelner Aspekte des Fotoboards:

  • Genügen die vorhanden Regieanweisungen?
  • Sind Dialoge und Kamerabewegungen verschriftlicht oder alternativ visualisiert?
  • Sind die Five-Shot-Prinzipien erkennbar?
  • Ist der Inhalt der Story nachvollziehbar?
  • Wo sind ggf. Sprünge und Lücken im Storytelling, die noch geschlossen werden müssten?

Hinweis

Das Fotoboard ist, wenn am Tablet erstellt wurde, trotz seiner Strukturierung nicht starr und unflexibel. Im Gegenteil kann es sogar an spontan entstanden Ideen im Drehprozess angepasst werden.

Nachträgliche Korrekturen im Fotoboard

  • Sind aufeinanderfolgende Einstellungen zu ähnlich, werden einzelne Fotos aufskaliert, so dass die Einstellungsgröße sich verändert.
  • Fällt auf, dass hauptsächlich Totalen-Einstellungen fotografiert wurden, können einzelne Bilder auf Halbnah- oder Großaufnahmen vergrößert werden.
  • Wenn der emotionale Ausdruck einer Figur nicht deutlich wird, wird das Bild als Closeup vergrößert.
  • Wird ein → Achsensprung entdeckt, wird das im Bild vermerkt, so dass er bei den Filmaufnahmen vermieden wird.

Schritt 5: Verfilmung des Fotoboards

Die Teilnehmenden verfilmen nun ihr Fotoboard. Dabei verteilen sie folgende Aufgaben:

  • Regie (Fotoboard)
  • Regie-Assistenz (Klappe)
  • Kamera (und Stativ)
  • Ton (Kopfhörer und Tonangel)
  • Darsteller/innen

Zuvor sollten die Abläufe am Set und die verbalen Kommandos geübt werden.

Schritt 6: Reflexion

Die fertigen Filme werden angeschaut. Dabei wird auf Übereinstimmungen und Abweichungen zwischen Fotoboardvorlage und Film geachtet. Ideal wäre es, wenn die Fotoboards beim Schauen der Filme als Handout verfügbar wären (alternativ könnten sie direkt auf die mobilen Geräte der Teilnehmenden verteilt werden).

Bezüge zur Sprachförderung

Kompetenzfelder

Lesen
Schreiben
Sprechfertigkeit
Wortschatz

Sprechfertigkeit: Beim Erstellen des Fotoboards müssen viele Entscheidungen getroffen werden. Hier gilt es den eigenen Standpunkt verbal und ggf. körpersprachlich zu vertreten und seine Ideen einzubringen.
Das Fotoboard dient schliesslich beim Dreh als visuelles Werkzeug, mit dem die Regie Darsteller/innen und Technikstab gezielt Anweisungen geben kann.
Die Fragewörter Wer, Wo, Was, Wie finden in einem funktionellen Kontext Anwendung.

Wortschatz: Da im Storyboard Regieanweisungen und Hinweise zur Kameraarbeit schriftlich festgehalten werden, trägt die Übung zur Festigung des film- und schauspielspezifischen Wortschatzes bei.
Insbesondere für sprachlich wenig fortgeschrittene Teilnehmende kann die verschriftlichte Form des Wortschatzes eine kognitive Stütze darstellen.

Schreiben: Einfache Dialogtexte müssen entwickelt und in Sprechblasen festgehalten werden.

Lesen: Das Fotoboard bietet einen niederschwelligen Leseanlass.

Bezüge Film- und Theaterpädagogik

Dramaturgie

Filmgestaltung

Montage

Montage: Anhand der verschiedenen Einstellungen kann auf einen Blick die Anschlussfähigkeit der verschiedenen Szenen auf ihre -> Continuity hin geprüft werden. Das Fotoboard bietet darüber hinaus einen logischen Überblick über alle wesentlichen Elemente einer Story.

Filmproduktion

Aufgaben und Abläufe am Set

Abläufe am Set: Das Fotoboard ist die zeitsparende Weiterentwicklung des klassischen Storyboards, die den Filmschaffenden eine detaillierte Planung ihrer Dreharbeiten ermöglicht.

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