Das Schreckliche lesen wir in den Gesichtern

Das Schreckliche lesen wir in den Gesichtern

  • Posted by Björn Maurer
  • On 14. November 2016

Die Surprise-Spannung

von 1, 1
Zeitbudget: 10 – 45 Minuten
Schwerpunkte: NUR Film
Sprachkenntnisse: Grundkenntnisse
Mehrsprachig: Nein
Gruppengröße: Ab 3 Personen

Lernziele

  • durch Kameraarbeit Emotionen verstärken (durch Close Ups)
  • den Unterschied zwischen einer offenen und einer geschlossenen Kadrierung kennenlernen
  • erkennen, dass der Wechsel von offener und geschlossener Kadrierung Spannung erzeugen kann (Surprise-Spannung)
  • selbst eine kleine Surprise-Spannungsszene drehen

Überblick

Die Teilnehmenden erhalten den Auftrag zwei verschiedene Einstellungen zu filmen. 1. Eine Person, die etwas Schreckliches / Lustiges sieht (als «-> close up»). 2. Das Schreckliche / Lustige, das die Person in der ersten Einstellung gesehen hat. Die Teilnehmenden lernen dabei, wie man durch die Darstellung von Emotionen die Erwartungshaltung und die Fantasie des Zuschauers anregt und dadurch die so genannte Surprise-Spannung aufbaut.

Vorausgehende Übungen

Voraussetzungen:

Einstellungsgrössen sollten bekannt sein.

Materialien:

eine Kamera (oder Tablet bzw. Smartphone) pro Gruppe

Vorbereitungen:

Keine

Ablauf

1. Schritt: Der Auftrag

Hinweis

In der Vorbereitung der Übung sollten sich die Lernenden auch bewusst werden, wie z. B. «Erschrecken» mimisch und gestisch zum Ausdruck gebracht werden kann «Erschreckt Euch gegenseitig und beobachtet ganz genau, woran man das Erschrecken festmachen kann».

Die Kinder und Jugendlichen sollen eine Szene drehen, in der eine Person etwas Schreckliches oder Lustiges sieht. Das Schreckliche / das Lustige selbst soll dabei zunächst nicht im Bild zu sehen sein. Erst nachdem sich die Person erschreckt / amüsiert hat, sollen die Zuschauer/innen erfahren, was der Grund für deren Reaktion ist.

Im Auftrag ist bewusst offen gelassen, ob die Szene in einer oder mehreren Einstellungen gefilmt werden soll. Die Kinder und Jugendlichen sind herausgefordert eine eigene Lösung zu entwickeln.

2. Schritt: Die Produktion

Die Kleingruppe(n) bearbeiten den Auftrag und haben dafür 15 Minuten Zeit.

Folgende Lösungen sind zu erwarten:

  • Lösung in zwei Einstellungen: In der ersten Einstellung wird die Person in einer Nahaufnahme gezeigt. Die Person ist dabei unbesorgt. Plötzlich (der Moment kann sich durch ein Geräusch aus dem Off ankündigen) erschreckt sich die Person vor etwas, das außerhalb des Bildes liegt. In einer folgenden Einstellung wird dann gezeigt, wovor sich die Person erschreckte.
  • Lösung mit Kameraschwenk: Eine Person geht sorglos einen Weg entlang. Die Person wird frontal gezeigt, d.h. die Person läuft auf die Kamera zu. Die Person erschreckt sich vor etwas, das hinter der Kamera geschieht. Um auch den Zuschauer darüber in Kenntnis zu setzen, schwenkt die Kamera von der Person auf das Schreckliche.

3. Schritt: Die Betrachtung der Ergebnisse

Definition Surprise-Spannung

Wenn die Figur im Film mehr weiss als die Zuschauer, sie z. B. etwas sieht, was die Zuschauer noch nicht sehen können, spricht man von Surprise-Spannung.

Definition Kadrierung

Die Kadrierung beschreibt die Wahl des Bildausschnitts. Wenn sie offen gestaltet ist, spielt sich ein wesentlicher Teil der Handlung ausserhalb des Bildausschnitts ab. Die Figur schaut z. B. aus dem Bild. Die Zuschauer müssen sich vorstellen, was die Figur sieht. Eine geschlossene Kadrierung zeigt das gesamte Geschehen innerhalb des Bildausschnitts.

Gemeinsam werden die Ergebnisse der Gruppen gesichtet. Bevor zu sehen ist, was die Person gesehen hat, wird das Video gestoppt und die anderen äußern ihre Vermutungen, was die Person gesehen haben könnte. Anschließend wird das Video zuende geschaut.

Bei der Sichtung der Videos wird die Frage gestellt, was passiert, wenn der Zuschauer nicht direkt sieht, warum eine Figur auf eine bestimmte Weise reagiert.

Der Begriff der «Surprise-Spannung» wird in diesem Zusammenhang eingeführt. Dieses Prinzip kann fortan immer dann angewandt werden, wenn die Zuschauer/innen in Spannung versetzt werden sollen. Um den Surprise-Effekt zu erzeugen braucht es zunächst eine offene und dann eine geschlossene Kadrierung (s. Definition).

4. Schritt: Transfer

Nachdem die Kinder und Jugendlichen nun mit der offenen und geschlossenen Kadrierung sowie mit der Surprise-Spannung vertraut sind, sollen sie bewusst weitere Surprise-Spannungsszenen drehen.

Varianten

Die Surprise-Spannung passt inhaltlich zur Suspense-Spannung. Daher bietet es sich an, kontrastiv die Übung zur Suspense-Spannung anzuschließen.

Bei wenig erfahrenen Kindern und Jugendlichen kann im ersten Schritt spezifisch von zwei getrennten Einstellungen gesprochen werden. Gedreht werden soll dann eine Einstellung, die nur die Person zeigt, die sich erschreckt und anschließend eine zweite Einstellung, in der das Schreckliche gezeigt wird. Hierdurch fällt dann der anspruchsvollere Moment heraus, in dem die Kinder und Jugendlichen eine Strategie zur filmischen Umsetzung finden müssen.

Bezüge zur Sprachförderung

Kompetenzfelder

Wortschatz

Wortschatz: Die Begriffe “Einstellungsgrösse” und “Bildausschnitt” werden wiederholt. Ebenso die Bezeichnungen der Emotionen.

Bezüge Film- und Theaterpädagogik

Dramaturgie

Spannung

Spannung: Mit der Surprise-Spannung lernen die Teilnehmenden eine in Spielfilmen häufig eingesetzte Spannungsform kennen.

Schauspiel

Emotionen

Emotionen: Die Nahaufnahmen von Gesichtern drücken die Gefühle der handelnden Personen aus, die im Moment der Aufnahme etwas Schreckliches sehen. Hierzu müssen die Teilnehmenden auf Kommando die passende Mimik vor der Kamera erzeugen.
Die Kinder und Jugendlichen können kleinteilig erarbeiten, wie sich die Haltung einer Figur von Gleichgültigkeit oder Freude hin zu Panik, Angst und Schrecken verändert.

Filmgestaltung

Kamera
Montage

Kamera: Mit Naheinstellungen werden die Emotionen der Figuren hevorgehoben. Die Totalen zeigen anschliessend, in welchem Kontext die emotionale Szene steht. In diesem Sinne exerzieren die Kinder und Jugendlichen zum einen beispielhaft durch, wie man den Bildausschnitt geschickt wählt, aber zum anderen auch, welche Auswirkung das auf die Zuschauerhaltung und die Spannung der Handlung hat.

Montage: Die Lernenden erleben die Abfolge von Nahaufnahme (emotionales Close-Up) und Totale als spannungsfördernd und erwerben ein wichtiges Prinzip der Montage.

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